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Mrz 09

45. Schaefer, Frank

Return of the unexpected

(31.08. – 28.09.2008)

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Frank Schaefers Malerei bewegt sich jenseits der Abstraktion. Der in Köln arbeitende Künstler hat sich einer konkreten Auffassung von Malerei verschrieben – die Formen bieten also keinen Vergleich mit der so genannten Wirklichkeit. Sein Vokabular besteht aus sich großzügig entfaltenden und windenden Arabesken sowie einer scheinbar unendlichen Formenvielfalt. In gestaffelten räumlichen Anordnungen und differenzierten Flächenausdehnungen bestimmen präzise abgestimmte Farbkonstellationen das bildnerische Geschehen. Farbflächen strecken sich über die Leinwand hinaus und schwingen in unendlicher Fortsetzung in ein räumliches Infinitum weiter. In diesen Räumen breitet sich eine barocke Formvielfalt aus, deren unter Spannung stehenden Bewegungen komplexe räumliche Illusionen verursachen. Heterogene Konstellationen, Intervalle, Relationen und Polyrhythmen entfalten eine erregende Fülle von Raumillusionen. Die präzise angeordneten Farbflächen hinterlassen den Eindruck eines streng kalkulierten Vorgehens. Umso erstaunlicher ist es, dass der Künstler die Farbe, den Rakel und den Pinsel „sich selbst überlässt.“ Dem Unvorhersehbaren werden große Entfaltungsmöglichkeiten eingeräumt. Der Künstler versteht sich als Medium, welches der Farbe lediglich das Forum zur Selbstentfaltung bietet. Das Unerwartete hält Einzug; fest gefügte Ordnungssysteme, die sich im künstlerischen Tun etabliert haben, werden überwunden.


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Mrz 09

46. Staats, Katja

„Tagwerk“

Landnahme. UNGELENK.
Fotografien zu Gedichten von Michael Stavarič

(12.10. – 09.11.2008)

Kein Titel

Die menschliche Figur als zentraler Aspekt taucht in all ihren Arbeiten auf. Die Künstlerin Katja Staats setzt sich sowohl in ihren fotografischen als auch in ihren grafischen Arbeiten seit nunmehr über zehn Jahren mit dem Körper auseinander. Ihr dient der Mensch als Projektionsfläche, als Identifikationsmoment oder einfach als Material, das nach Belieben geformt werden kann.Erste Impulse findet sie dabei häufig in literarischen Texten, gleich ob Prosa oder Lyrik. Eine Auswahl von Gedichten aus dem Lyrikwerk „Tagwerk. Landnahme. UNGELENK.“ dienten als Inspiration zu den Fotografien dieser Ausstellung. Michael Stavarics Texte hinterfragen den Alltag, sind bildlich und stellen die Welt als Spiegel unserer selbst dar.Katja Staats nutzt die durch die Lektüre hervorgerufenen Assoziationen und übersetzt sie in eine Bildsprache.

Und ebenso wie die Texte sind ihre Motive keine statischen Objekte, sondern verschwinden in Zeit und Raum. Sie spielt mit dem Auge des Betrachters, der einen scheinbar immer noch bewegten Körper sieht. Durch die Langzeitbelichtung und unterschiedliche Objekte, die sich im Bild neben der menschlichen Figur finden, wird der Blick unweigerlich in das Bild gezogen. Der Mensch erhält dabei etwas Flüchtiges, wirkt zerbrechlich und verletzbar.Und trotzdem oder gerade weil ihre Bilder keine endgültige Feststellungen beinhalten, berühren sie beim Betrachter einen Punkt, der dazu animiert weiterzudenken, seinen eigenen Alltag in Frage zu stellen und für einen Moment Zeit und Raum zu vergessen.

Hanna von Behr, freie Journalistin


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Mrz 09

47. Gerhard, Till + Knop Tilman

DAS LICHT AM ENDE

Gemeinschaftsarbeiten

(30.11. 2008 – 11.01. 2009)

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Seit 2006 arbeiten sich Till Gerhard und Tilman Knop auch gemeinsam in Leinwände hinein. Bildinhalte vorab nicht abgesprochen, beginnen sie ein Frage-Gegenfrage-Duell. Solange bis der finale Titel eine Antwort gibt und damit neue Fragen aufwirft. Beide arbeiten nicht gleichzeitig, sondern die Bilder werden mehrmals hin und her getauscht. Bis zur beidseitigen Absegnung. Die erste Ausstellung ihrer Arbeiten nannten sie „Autistischer Dialog”. Das trifft die Ausgangslage im Kern. Die Verwebung offener Malerei mit akkuratem Siebdruck war auf jedem Fall von Beginn an eine Verlockung. Form- und Farbanarchie gegen den tiefen Wunsch, es auch gleich wieder zu bändigen. Ölfarbschlieren gegen Siebdruckraster. Präzise gemalte Color-Strahlen über gepanschte Farblachen. Bizarre Figuren, entrückte, irgendwie schon mal registrierte Bilder, gefischt aus dem weltweiten Netz oder dem eigenen Archiv. Beide steuern ihre ins Spiel gebrachten Motive bei. So nehmen konkrete Inhalte ihren Lauf. Allmählich pellt sich ein Thema heraus.     Die Schnittmenge dieser Zusammenarbeit liegt in ihren jeweiligem Themenansatz: Bittere Weltwirklichkeit zu diagnostizieren und dem „Wilden Draußen” aufs Maul zu schauen.Till Gerhard arbeitet thematisch im Konfliktfeld von Mensch und Natur, vor allem auch dessen komplexer eigener, inneren Natur und dem sich daraus ergebenden Missverständnissen eines spirituellen Irrglaubens. Tilman Knop hat grundsätzlich eine starke Neigung zum Absurden, um damit in seinen Arbeiten eine seltsame Form von Hoffnungslosigkeit zu verbreiten. Beide nehmen jedoch von ihren ureigenen Themen in den Gemeinschaftsbildern Abstand, um sich einander motivisch anzunähern. Deshalb bleiben ihre Gemeinschaftsarbeiten stets vor allem eins: Ein Experiment.Am 30.11.2008, hat in Buchholz die Ausstellung „Das Licht am Ende“. Till Gerhard und Tilman Knop, Gemeinschaftsarbeiten eröffnet.Es spielte PingFinger Niedersächsische Improvisationen für Zither und Synthesizer.Die Zusammenarbeit der beiden Künstler Till Gerhard und Tilman Knop gleicht einem Hasardeur-Spiel: ein Künstler legt dem anderen eine formale Vorgabe vor, die dieser weiterbearbeitet und dem Mitstreiter wieder zurückgibt. Die Tausch-Prozedur findet erst dann ein Ende, wenn beide Künstler darin übereinkommen, dass das Bild fertig ist.Die Ergebnisse sind völlig überraschend, weil ein Künstler keinen Einfluss auf die Arbeit des jeweils anderen nehmen kann – jeder arbeitet für sich. Überraschungen stellen sich auch dadurch ein, dass die beiden Künstler völlig unterschiedliche technische, formale und inhaltliche Vorlieben mitbringen.

Während Tilman Knop in der Regel z.B. mit Siebdruck und Foto arbeitet, agiert Till Gerhard bevorzugt mit freier Malerei. Diese Mischung birgt ästhetischen und formalen Sprengstoff in sich. Es prallen Bild und Vorstellungswelten aufeinander, die den konventionellen Blick verstören und eine Form- und Farbanarchie evozieren.